Insel Brac
Sehenswürdigkeiten der Insel Brac
Zlatni Rat ─ Goldenes Horn
Der Strand auf der Landzunge Zlatni Rat ─ für viele der adriatische Traumstrand schlechthin ─ liegt am Fuße
des Inselbergs Vidova Gora, unmittelbar am Ortsrand von Bol.
Der Strand ist ein interessantes Naturphänomen,
denn je nach Wind- und Wellenrichtung biegt sich die Spitze der Landzunge nach rechts oder nach links. Für Windsurfer
gehört diese Landzunge auf der Insel Brac zu den Top-Zielen der Adria. Jedes Jahr findet hier ein schon zur Tradition
gewordener Freestyle-Wettbewerb statt, der im offiziellen Wettkampfkalender des
Surf-Weltcups aufgeführt ist.
Vidova Gora
Der Vidova Gora ist der höchste Berg der adriatischen Inselwelt (780 m). Seinen Namen verdankt er dem kleinen
Kapellchen, dessen Ruine hundert Meter vom Gipfel entfernt steht. Die Kapelle war dem hl. Veit (Sveti Vid) geweiht, der schon
in den alten kroatischen Mythen als slawische Gottheit Svevid verehrt wurde. Vom Gipfel des Vidova Gora bietet sich ein atemberaubender
Blick: Von der Uferzone der Insel Brac mit dem berühmten Strand Zlatni Rat und einer Unzahl von Buchten schaut man hinüber
zur Nordseite der Insel Hvar, zur Halbinsel Peljesac und den Inseln Korcula, Vis, Bisevo und noch weiter bis zum Mini-Eiland
Jabuka. Wer einen Tag mit besonders klarer Sicht erwischt hat, kann in der Ferne sogar die italienische Küste mit Monte
Gargano ausmachen. Auf der Aussichtsplattform des Vidova Gora steht ─ wie könnte es anders sein ─ eine typisch dalmatinische
Konoba, in der Bračer Lammfleisch vom Grill (eine bekannte Spezialität der Insel Brac), dalmatinischer Prsut (Schinkenspezialität)
und andere einheimische Köstlichkeiten serviert werden. Dazu trinkt man natürlich Wein, der ebenfalls von der Insel
Brac stammt.
Der Vidova Gora ist naturgemäß ein beliebtes Ziel für Wanderer und Mountain-Biker,
aber auch der Gesundheits- und Jagdtourismus spielen in diesem gebirgigen Teil der Insel Brac eine große Rolle. Für
den Aufstieg zum Gipfel braucht man, ausgehend von der Kirche Gospa od Karmela (Madonna vom Karmel) in Bol, zwei Stunden.
Man kann aber auch dem Verlauf einer 18 km langen Straße folgen, die von Supetar über Nerezisca und Knezeravan
zum Vidova Gora hinaufführt. Wer sich für diese zweite Variante entscheidet, lernt auf dem Weg zum Gipfel die Vielseitigkeit
der Bracer Karstlandschaft mit ihren endemischen Schwarzkieferwäldern kennen und kann außerdem ─ was sehr zu empfehlen
ist ─ einen Abstecher zur Hirtensiedlung Gazul machen.
Gazul
Eine Sehenswürdigkeit auf der Insel Brac mit ländlichem Charakter ist Gazul, ein in seiner ursprünglichen
Umgebung erhaltener Hirtenweiler. Im Winter liegt er verlassen da, aber im Sommer kann man ─ nach Vorbestellung ─ traditionelle
Speisen der Insel Brac probieren, unter anderem die Spezialität Vitalac.
Einsiedelei Blaca
An der Bracer Südseite liegt die Einsiedelei Blaca, eine der interessantesten Sehenswürdigkeiten der Insel
Brac und zugleich ein besonders schönes Ausflugsziel. Das ehemals klösterliche Gebäude, das als Wohn- und Wirkungsstätte
glagolithischer Einsiedlermönche berühmt wurde und in späteren Zeiten als Sternwarte diente, schmiegt sich
zu Füßen einer Steilwand in den Fels.
Im Jahr 1551 kamen zwei glagolithische Priester als Flüchtlinge
von Poljica (Gebiet auf dem Festland) auf die Insel Brac und fanden Unterschlupf in der sog. Ljubitovica-Höhle. Die anfängliche
Höhleneinsiedelei entwickelte sich mit der Zeit zu einem veritablen Kloster, dessen Interieur heute von großem
Wert ist und deshalb unter Denkmalschutz steht, z. B. alte Folianten, eine kleine Druckerei und eine Sternwarte mit mehreren
Teleskopen. Die Klosterbibliothek umfasst insgesamt 11.000 Buchbände, deren bedeutendste aus der Zeit vor dem Jahr 1800
stammen. Wie die Unterlagen des Archivs zeigen, wurde nicht nur über ökonomisch bedeutsame Vorgänge, sondern
über jede noch so alltägliche landwirtschaftliche Arbeit von Generationen von Mönchen pedantisch Buch geführt;
ebenso über allgemeine Beobachtungen bezüglich des Klimarhythmus, über den Beginn der Blütezeit sowie
über das Wachstum und die Ernte auf den klösterlichen Feldern. Das gut erhaltene Inventar des Klosters ist heute
Teil der Museumsausstellung. Von besonderem Wert ist das astronomische Instrumentarium, das der letzte Einsiedler des Klosters,
Don Nikola Milicevic d. Jüngere, der Nachwelt hinterließ. Zum Kloster gehörten auch eine Schule und eine im
Jahr 1588 errichtete Kirche St. Mariä Himmelfahrt.
In einem Felsen namens Slap entspringt eine Quelle, deren Wasser
in einem Becken aufgefangen wird. Hier befindet sich auch eine tiefe Höhle, die von den Mönchen früher als
Bienenhaus benutzt wurde.
Zur Einsiedelei Blaca gelangt man nur zu Fuß, und zwar entweder über einen
relativ breiten Weg, der von der Blaca-Bucht direkt hinaufführt, oder über einen Fußpfad vom Inselinneren.
Dieser verläuft über Nerezisca, das „Wasserloch“ Zurmo (ein als Viehtränke genutzter altchristlicher
Sarkophag) und Dragovoda, einen ehemaligen Hirtenweiler mit Hütten neben einer Trinkwasserquelle.
Zmajeva Spilja ─ Drachenhöhle
Eine weitere interessante Sehenswürdigkeit auf der Insel Brac, die Drachenhöhle, liegt an einem Steilhang
des südlichen Inselufers, nur 200 m vom Dörfchen Murvica entfernt. Glagolithische Mönche, die Mitte des 15.
Jh. aus Poljica flohen, richteten hier eine Einsiedelei ein, in der sie nach den Regeln ihres Ordens lebten. Gleichzeitig
diente ihnen die Höhle als Gebetsstätte. Die Reliefs im Höhleninneren spiegeln die damalige Lebensweise wider
und sind von enormer historischer Bedeutung. Von alters her ranken sich um diese Drachenhöhle slawische Mythen über
Feen, Werwölfe, Hexen, und eine mediterrane Sage erzählt von dem einäugigen Riesen Orkomarin als Höhlenbewohner.
Diese Geschichten sind bis heute lebendig.
Lovrecina
Für einen ganztägigen Ausflug empfiehlt sich die Lovrecina-Bucht, die unweit von Pucisca auf der Insel
Brac liegt. Ihr Ufer lockt nicht nur mit einem wundervollen Sandstrand, sondern ist auch eine bedeutende archäologische
Fundstelle. Außer den Mauerresten einer frühchristlichen Kirche sieht man am Nordufer einen kreuzförmigen
Taufbrunnen.
Skrip
Skrip ist die älteste Siedlung von Brac und als Ganzes eine der bedeutsamsten Sehenswürdigkeiten der Insel
Brac. Unterhalb des Ortes, dessen Name von dem lat. Begriff scrupus (harter riesiger Stein) herrührt, liegen die ehemals
berühmten Steinbrüche Plata, Strazisce und Rasoha, in denen unter dem Schutz des göttlichen Herakles und des
römischen Heeres die Bausteine für Salona, den Diokletian-Palast und die Thermen im pannonischen Sirmium gebrochen
wurden. Daneben befanden sich die spätantiken Bildhauer- und Steinmetzwerkstätten, deren in unverkennbarem Stil
gearbeiteten Sarkophage bis nach Ravenna und Aquileja verschickt wurden. In den Steinbrüchen von Skrip gab es auch Vorkommen
von schwarzem, mit Einschlüssen von Meeresschnecken versehenem Marmor, der vorzugsweise für das Kirchenmobiliar
der frühchristlichen Basiliken Dalmatiens verwendet wurde. Sowohl die rohen Steinblöcke als auch die fertig bearbeiteten
Objekte wurden über Rampen zum Frachthafen in der Splitska-Bucht befördert. Bis heute kann man dort auf dem Grund
monumentale bearbeitete Steinblöcke sehen, die während des Verladens abrutschten und so statt auf der Galeere im
Wasser landeten.
In dem malerisch anmutenden Kastell Radojkovic in Skrip ist das Heimatmuseum der Insel Brac
untergebracht, das eine beeindruckende Sammlung archäologischer Fundstücke und eine Ausstellung traditioneller,
auf der Insel Brac verwendeter landwirtschaftlicher Gerätschaften birgt. Die rings um diesen Gebäudekomplex verlaufende,
gut erhaltene Megalithmauer stammt aus illyrischen Zeiten und diente als Befestigungsmauer der ersten Siedlung auf diesem
Boden. Funde mykenischer Keramik in Skrip weisen auf eine Kolonisation durch die Griechen hin. Die vielen Kirchen und Basiliken
schließlich runden das Bild eines kleinen Ortes ab, der ein wahres Schatzkästchen der Geschichte ist, da er auf
kleinstem Raum einen einzigartigen Blick auf alle historischen Phasen und auf eine die Jahrtausende überdauernde Kontinuität
des Lebens auf der Insel Brac gewährt.
Naturdenkmal ─ Ein Kuchen aus Dolomit
Zwei Kilometer westlich von Nerezisca ragt eine von der Natur geschaffene Sehenswürdigkeit auf: der Dolomitfels
Kolac. Diesen Namen, zu Deutsch „Kuchen“, verdankt er seiner Bogenform, die an einen dalmatinischen Kranzkuchen
namens baskot oder koloc erinnert. Der ungleichmäßig geformte Felsenring hat eine Höhe von 20 m und wird aus
zwei langen gebogenen Felsen gebildet, die an ihrem höchsten Punkt gegeneinander stoßen und dadurch den Gesamtbogen
in der Mitte schließen. Dieser erinnert an eine alte Steinbrücke, unter der früher ein inzwischen ausgetrockneter
Fluss hergeflossen sein könnte. Natürlich ranken sich viele Legenden um dieses eigenwillige steinerne Denkmal: von
Feen, Elfen und anderen Fabelwesen, die auf dem Scheitel des Steinkolosses tanzen und ihn mit Blumen und Ranken schmücken,
sowie von seinen Wunderkräften und seiner unerklärlichen Wirkung auf all jene, die unter ihm herschreiten.




